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Film Leben Menschen

19 – Marianne Kohn
über ein Leben in Punk und Gloria.

Es hat ein bisschen gedauert, bis Aus Gründen wieder Fahrt aufgenommen hat, aber die Covid-19 Lockdowns und Verordnungen ließen es erst kurz vor Ostern zu, sich mit der Wiener Loos Bar Betreiberin Marianne Kohn auf einen Podcast-Talk zu treffen. Innen die ungewohnt leere Bar, draußen vor der Tür das Take-Away-Publikum, eine unaufgeregte Stimmung, in der wir uns definitiv nicht über Gott, aber die Welt unterhalten haben.

Viele Titel umgeben die Aura der „wohl bekanntesten Barfrau Wiens“, die laut DIE WELT auch als „Königin der Nacht“ bezeichnet werden darf. Am ehesten trifft es aber ihr Lebensmotto Punk Forever. Die stets auf neue Abenteuer neugierige und lebenshungrige Schulabbrecherin machte in den Sechziger Jahren eine Lehrausbildung zur Filmcutterin, ging mit 16 Jahren dann in die römsiche Cinecittà und arbeitete für Pier Paolo Pasolini und Federico Fellini. 1969 zurück in Wien folgte der Eintritt in die Gastro-Szene, die u.a. mit der Leitung des Club U4 oder des Café Europa für ihren legendären Ruf beim Publikum sorgten.

Seit 1994 leitet sie nun die von Adolf Loos gestaltete American Bar in Wien 1, in der sich … „die Prominenten wie die Hausmeister“ zu ihr in die enge Bar zwängten. Das sei „wie ein schlechter Film oder ein guter“, je nachdem. Was Marianne Kohn aber sonst noch alles so treibt – etwa eine eigene Modelinie unter dem Namen Povera zu vertreiben oder sich gemeinsam mit ihrer Tochter engagiert für Tierschutz in Österreich einzusetzen – und warum sie einfach alles definitiv entspannter als manch andere Zeitgenossen sieht – so manche Gräfin könnte darüber ein Operettchen singen – das kann man sich hier in launigen 42 Minuten anhören.
Mit einer kleinen Triggerwarnung: Nichts für Hakliche.

Unser Dank geht wieder an das Wiener Label monkey.music – für Wiener Pop, Rock & Glam (und natürlich auch Punk) passend zur Königin der Nacht:

Der gespielte Titel der Episode:

https://de.wikipedia.org/wiki/MinisexKönige
Album: Wiener Blutrausch 2
Interpret: Minisex

Mehr zum Thema:

Die Mode von Marianne Kohn:

Povera aus Gschert Indien

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Leben Liebe Menschen Reisen

18 – Tanja Paar über das Reisen und das Schreiben.

Wer sich mit Tanja Paar auf ein Gespräch trifft, hat eine Fülle an Erfahrung mit ihrer liebsten Beschäftigung zu bewältigen: Dem Schreiben. Als Journalistin und Autorin für Tages- und Wochenzeitungen, Magazinen, Verfasserin ihres Blogs und vor allem ihrer zwei außergewöhnlichen Bücher, reiht sie unaufhörlich höchst lesbare Texte in ihrem Leben aneinander. Ihren Namen hat sie sich als Kulturredakteurin in der längst eingestellten Neue Zeit (jene „rote“ Grazer Tageszeitung, die unter anderem auch Günther Nenning, Atha Athanasiadis oder Gerhard Roth als Sprungbrett in die Medienwelt diente), in der Wochenzeitung FALTER oder als Reiseressortleiterin im DERSTANDARD gemacht.

Der Ehrgeiz, auch richtige Bücher zu schreiben, hat 2018 den Roman „Die Unversehrten“ hervorgebracht und belohnt ihre Leserschaft heuer mit dem jüngsten Werk „Die zitternde Welt“, beide im Haymon Verlag erschienen und auch dort neben dem gut sortierten Buchhandel online erhältlich. Tanja Paar wurde in Graz geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Philosophie und arbeitete außer in Printmedien auch am Theater und Moderatorin. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in Wien. Wem übrigens die zarten Zwitschergeräusche im Hintergrund auffallen mögen, der hat sie entdeckt, die zarten Küken, die an jenem Podcastabend ihren ersten Lebenstag in einer Kartonbox vollendet haben und nun bereits in ihrem Heimatstall eifrig picken und spielen.

Unser Dank geht wieder an das Wiener Label monkey.music – für Wiener Pop, Rock & Glam, passend zu Ferne und Nähe:

Die gespielten Titel der Episode:

Fast wie am Meer
Album: Fast wie am Meer
Interpret: Die Wödmasta

Mei Herz es tropft
Album: Aus da Haut
Interpret: Kristoff

Lucidity
Album: Caramel Reimagined
Interpret: Ulrich Drechsler

Mehr zum Thema:

Die Bücher von Tanja Paar:

Ein Buch über unsere Verletzlichkeit in Zeiten großer Umbrüche. Und über die Kräfte, die dabei in uns erwachen.

Kunstfertig verwebt Tanja Paar den unbändigen Lebensdrang einer Frau und das Schicksal einer Familie mit den Verwerfungen der Weltgeschichte. In ihrem Generationenroman führt sie an blühende und aufregende, aber von Umwälzungen bedrohte Orte: in das Osmanische Reichdes Fin de Siècle, ins Istanbul und die junge Türkei unter Atatürk, in den Irak des Ölbooms der 1930er. Ob damals oder heute – Tanja Paar stellt in ihrem aufwühlenden Roman eine Frage, die uns Menschen niemals loslässt: Wer bestimmt, welche Menschen wir werden? Sind es die Umstände? Oder wir selbst?
Text: Haymon Verlag

Ein Romandebüt mit gewaltigem Sog und großer Zündkraft

Tanja Paar besticht in ihrem ersten Roman sprachlich wie kompositorisch mit einer Präzision, die selten ist. Sie erzählt eine Geschichte von Unglück, Eifersucht und Rache, die sich in der kleinsten Zelle unserer Gesellschaft abspielt – der Familie. Wie weit kann man gehen, wenn das eigene Glück auf dem Spiel steht? Ein intensives Buch mit ungeheurer Zündkraft, das Fragen durchexerziert, die Frauen und Männer im modernen Leben existentiell berühren.

Die Website von Tanja Paar

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Leben Nachhaltigkeit Politik

16 – Gerald Loacker über Transparenz und Gerechtigkeit.

© Gerald Loacker Pressefotos

Privat begeisterter Mountainbiker und Naturliebhaber, ist er dafür als Mitgründer der NEOS mit Matthias Strolz und aus dem Personalwesen stammender Querdenker eine interessante Persönlichkeit, ganz ohne hier eine Wahlempfehlung abgeben zu wollen. Seine Stationen von der Jungen ÖVP Vorarlberg über die WKO in die Privatwirtschaft und seit 2013 als teilkarenziertes Nationalratsmitglied zeigen auf, dass das Aufbrechen von Althergebrachtem seine Berufung ist. Auch wenn wir im Studiogespräch nicht immer einer Meinung waren, was Gerald zu sagen hat, klingt einfach vernünftig und nachvollziehbar.

Und vielleicht ist es ja gerade die Oppositionsbank, die ihn als studierten Juristen immer wieder zu rednerischer Hochform auflaufen lässt – mit dem Erscheinungstag dieser Episode hat er nämlich seine 860-igste (!) parlamentarische Anfrage geleistet. Fleißig sind sie eben, die Vorarlberger.

Unser Dank geht wieder an das Wiener Label monkey.music – diesmal mit einem feinen Covid-19-Studio-Lüftungspausenfüller, passend zur bevorstehenden Wien-Wahl 2020:

Der gespielte Titel der Folge:

Wien
Album: Heast
Interpret: Die Wödmasta

Mehr über Gerald Loacker im Netz:

Seine Website

Sein Wikipediaeintrag

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Leben Medien

15 – Ein Sommerabend mit Dodo Roscic

Eigentlich unglaublich, was diese dynamische, sympathische Frau im ORF in so wenigen Jahren alles auf die Beine gestellt hat. Nach etwas Zeit bei Ö3 (als „Beiweckerl“ von Hary Raithofer) brach ihr TV-Quotenhit, das von Mischa Zickler ersonnene Realityformat „Taxi Orange“, wie eine Brandung über das Publikum herein und schwemmte einen Haufen Vorurteile über Schwule, Tatoos, Jugendliche und vieles mehr einfach so weg. Ihre erfrischende Moderation sorgte auch im großen Haus am Berg nicht nur für Entzücken, aber das hat sie damals schon gelernt: Solidarität muss man vorleben, von selber kommt sie einfach nicht.

Ein weiteres Highlight, ebenfalls ein Straßenfeger erster Güte, war dann … aber halt! Hört es Euch einfach an, was Dodo Roscic zu einer echten Medienspezialistin mit viel Empathie und Herz macht.

Also: Kopfhörer auf, Zeit nehmen, die Grillen in Kritzendorf zirpen bis zu Euch nach Hause, wenn wir uns gemütlich unterhalten. Und wer wissen will, warum es gerade „in Linz beginnt“, findet die Lösung hier.

Aus zeitlichen Gründen musste diesmal die feine Musikbeigabe von monkeymusic entfallen, sonst hätte der Podcast vermutlich zwei Stunden gedauert. Holen wir nach. Versprochen!

Hier gehts zum Wikipediaeintrag über Dodo Roscic

Und das hat 2003 Der Standard über sie geschrieben

Ach ja, und der ORF hat auch ein paar Star-Infos

Hier der Link zur Herkunft der Redewendung „in Linz beginnt’s“

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Leben Nachhaltigkeit Verkehr

14 – Barbara Laa & Ulrich Leth wollen mehr Platz für Wien!

Popup-Radwege, Begegnungszonen und Citybikes – was will man denn noch alles den WienerInnen abverlangen? Es geht weit mehr! Beim Erscheinen dieser Episode Aus Gründen hat die neue urbane Initiative Platz für Wien für mehr Raum, der nicht dem Fetisch Auto geopfert wird, sondern den Menschen zur Verfügung steht, bereits 30.000 UnterstützerInnenstimmen erhalten. Die Gäste dieser Folge, Barbara Laa und Ulrich Leth vertreten das Team und dessen 18 Forderungen an die Wiener Stadtverwaltung im Podcast – und das gleich 120 Minuten lang mit wie immer allerbester Musik von monkeymusic! Aber keine Sorge, es wird nicht langweilig, es gibt interessante Fakten, Erkenntnisse, Visionen und viel Hoffnung auf ein besseres Leben in der Stadt. Denn wer möchte nicht auch mehr Platz zum gemütlichen Gehen, sicheres Radfahren, schattiges Verweilen und gefahrloses Spielen?

Barbara Laa, 28, Sprecherin für Multimodalität der Initiative Platz für Wien forscht und lehrt an der Technischen Universität Wien am Forschungsbereich für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik. Ihr Kollege Ulrich Leth, 36, Sprecher für Sicherheit der Initiative und ebenfalls Verkehrsplaner von Beruf, kennt als leidenschaftlicher Alltagsradfahrer die Hürden, die man nach wie vor in Wien in Kauf nehmen muss. Er lehrt und forscht ebenfalls an der TU Wien.

Was die Initiative auszeichnet, ist die konsequente Überparteilichkeit, denn mittlerweile haben es (fast) alle Wiener Parteien kapiert, dass diese 18 Forderungen durchaus gut bei den WählerInnen ankommen – und obwohl im Herbst in Wien gewählt wird, ist Platz für Wien nicht käuflich. Weder coole Straßen noch „gerettete“ Citybikes oder Popup-Planschbecken können davon ablenken, worum es den Initiatoren wirklich geht: Um ein nachhaltig besseres Leben für alle in der Stadt.

Finde den Fehler: So baut Wien seine Radwege.

Den Soundtrack zu dieser Episode liefert der österreichische „Pop-Elektroniker“ Bernhard Eder, fein ausgesucht von Walter Gröbchen aus dem ebenso feinen Katalog von monkeymusic – dem Label für Wiener Popmusik.

Album Reset, 2019

Die gespielten Titel der Folge:

Hell
Interpret: Bernhard Eder
Album: Reset, 2019
Apple Music
Spotify

No Man’s Land
Interpret: Bernhard Eder
Album: Reset, 2019
Apple Music
Spotify

The Last Dance
Interpret: Bernhard Eder
Album: Reset, 2019
Apple Music
Spotify

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Allgemein Leben

Matthias Strolz über Scheitern und Wiederaufstehen

Die Covid19-Krise hält uns alle fest in Bann und es wäre eher gelogen statt charmant geschwindelt, wenn dieses außerordentliche Ereignis nicht viele Menschen zur selben Zeit mit dem Gedanken ans Scheitern beschäftigen würde. Da könnte es kaum passender kommen als jetzt, dass der österreichische Privatsender PULS4 mit Mai eine neue Eigenproduktion ins Programm hebt, die den vielsagenden Titel „Fuck Up Show – Scheitern erlaubt“ trägt. Also ziemlich das Gegenteil der bekannten PULS4 Show „2 Minuten 2 Millionen“, wenn man die Ironie gestattet.

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Allgemein Leben Psychologie

Patricia Staniek über Lügner, Narzissten und Psychopathen.

Patricia Staniek erkennt Psychopathen schon nach wenigen Augenblicken und weiß um die Tiefen der menschlichen Verhaltensweisen so gut Bescheid, wie kaum jemand anderes. Sie schult Polizisten, Kriminalbeamte, Sicherheitsdienste, Justiz, Rechtsanwälte und Detektive und bringt ihnen Profiling PScn &  SBI-Analysis (Suspicious Behaviour Identification) und strategische Vernehmung bei.  Sie bildet Mitarbeiter der öffentlichen und privaten Sicherheit aus. Patricia Staniek hat sich als Expertin in Sachen „ganz normale Verrückte“ im deutschsprachigen Raum einen Namen gemacht, der für Kompetenz steht.

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Allgemein Leben Musik

Florian Macek über das Leben als Model und Influencer

Wenn man durch Instagram surft, kann man angesichts der vielen perfekt gestylten jungen Menschen, die da am Smartphone mit smartem Zahnpastalächeln und unglaublichen Bauchmuskeln auftauchen, entweder blank neidisch werden oder sich dem Followertum verschreiben. Aus der Nähe betrachtet, steckt aber bei den wirklich erfolgreichen Vertretern dieser neuen Zunft der Influencer eine Menge Arbeit (nicht nur am eigenen Körper) und auch viel Ehrgeiz hinter dem Erfolg. Einer, der über 700.000 Follower tatsächlich in jahrelanger Kleinarbeit für sich begeistern konnte, ist der junge Wiener Ex-WU-Student Florian Macek.

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Allgemein Leben

Nikolaus Irsigler über Misanthropie im Alltag

Wer aufmerksam durch die Wiedner Hauptstraße im vierten Wiener Gemeindebezirk spaziert, wird mit Sicherheit an den Auslagen des Dreimäderlhaus innehalten. Denn hier versammeln sich im weitläufigen Vintagemöbel- und Accessoiresgeschäft von Nikolaus Irsigler, Jahrgang 1973, die erstaunlichsten Einrichtungsgegenstände aus noch nicht so lange vergangener Zeit. Das Händchen, das der Liebhaber von Mobiliar mit Charakter bei der Auswahl der angebotenen Exponate beweist, zeugt von Geschmack und Bildung – denn er kennt auch die Geschichten zu jedem Stück. Wenn da nicht die Menschen wären, die sich in letzter Zeit doch sehr verändert haben. Wenn sich Niki Irsigler mitten im Gespräch in fiktive Personen verwandelt, die er kritisch-sarkastisch portraitiert, entfaltet sich nicht nur komödiantisches Talent, sondern auch sein Instinkt für die neue Gedankenlosigkeit, mit der sich die Gesellschaft immer weiter entsolidarisiert.

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Allgemein Leben Nachhaltigkeit

Daniel Kern über Gemeinschaftssinn, Pflicht und Lebensfreude

25 Jahre jung, von Beruf Forstfacharbeiter, Mitarbeiter im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mit 50 Milchkühen und: stellvertretender Feuerwehrkommandant in seiner oststeirischen Gemeinde, die knapp 700 Einwohner hat. Was ihn auszeichnet, ist seine weltoffene Haltung, sein Sinn für Gemeinschaft und das richtige Gefühl für echte Work-Life-Balance. Daniel setzt sich hilfsbereit für seine Mitmenschen ein und besitzt ein gutes Empfinden dafür, was das Leben in der Gemeinschaft besser machen würde. Besonders das ehrenamtliche Engagement liegt dem jungen Steirer sehr am Herzen, der zusammen mit den anderen Mitgliedern „seine“ Freiwillige Feuerwehr mit viel Einsatz zu einer der bekanntesten und auch drittbeliebtesten der Steiermark gemacht hat. Eine Stunde aus dem steirischen Joglland, einer der waldreichsten Gegenden Österreichs, wunderschön gelegen hinter dem Semmering und dem Hochwechsel.